Please ensure Javascript is enabled for purposes of website accessibility
 
31.05.2021

Ausgrenzung und Verfolgung. Ravensburger Sinti im Nationalsozialismus

2. Juni 2021 bis 30. Januar 2022

Download Pressetext

Vom 2. Juni 2021 bis 30. Januar 2022 zeigt das Museum Humpis-Quartier die Wechselausstellung "Ausgrenzung und Verfolgung. Ravensburger Sinti im Nationalsozialismus". Diese erste Ausstellung des Museums über die Zeit des Nationalsozialismus stellt die Geschichte und das Schicksal der Ravensburger Sinti in den Mittelpunkt. Sie thematisiert dabei nicht nur die kontinuierlich zunehmende Ausgrenzung dieser Minderheit, sondern zeigt auch auf, wie der Großteil der Bevölkerung, der zur nationalsozialistischen "Volksgemeinschaft" zählte, in relativer Normalität weiterleben und von der Verfolgung anderer profitieren konnte.

Die Stadt Ravensburg ergriff 1936 die Initiative zum Bau eines Zwangslagers für die ein-heimischen Sinti, noch bevor reichsweite Erlasse und Verordnungen zu deren „Festsetzung“ aufforderten. Sie wurden von der örtlichen Polizei erkennungsdienstlich erfasst und durch pseudowissenschaftliche Untersuchungen der „Rassenhygienischen Forschungsstelle“ klassifiziert.
Doch bereits zuvor zwangen in den 1920er und 1930er Jahren erlassene Bestimmungen der Stadtverwaltung die Mehrheit der Sinti zu einem Leben an den Rändern der Stadt und zielten auf einen Entzug ihrer Rechte als Einwohner und Bürger ab. Vertreibung wurde zur gängigen Praxis von städtischen Verwaltungsbehörden, des Ordnungsamts und der Polizei.

Bürgermeister Rudolf Walzer verschärfte nach seinem Amtsantritt 1932 die Siedlungsverbote von Sinti mit dem Ziel ihrer Vertreibung aus Ravensburg. Am 2. November 1936 wurde vom Ravensburger Gemeinderat der Bau eines Zwangslagers in die Wege geleitet, welches 1937 im Ummenwinkel fertiggestellt wurde und in das etwa 100 Sinti eingewiesen wurden. Überwacht und durch Verbote schikaniert, mussten sie Zwangsarbeit im städtischen Forst- und Bauamt und bei Unternehmen in der Region leisten. Am 13. März 1943 wurden 34 Männer, Frauen und Kinder aus Ummenwinkel ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, 28 wurden dort oder in anderen Lagern ermordet.

Die Ausstellung betont in ihrer Szenografie das Nebeneinander von alltäglicher Normalität unter Hakenkreuzfahnen und Parteiabzeichen auf der einen Seite und der zunehmenden Erfahrung von Stigmatisierung, Zwang und Vertreibung auf der anderen. Sie zeigt, wie Pseudowissenschaft, die systematische Erfassung von Personendaten und stereotypenbildende Fotografie eine fatale und bis heute nachwirkende Verbindung eingingen.

Originaldokumente, unter anderem aus dem Stadtarchiv Ravensburg und von Privatpersonen, sowie Fotos laden zu einer aktiven und quellenkritischen Aneignung und Auseinandersetzung ein. Eine zentrale Bedeutung kommt den Erinnerungen und mündlich überlieferten Erzählungen der Ravensburger Sinti zu. Ravensburger Sinti aus den unter-schiedlichen Verbänden und Vereinen sowie Privatpersonen unterstützen die Ausstellung großzügig durch ihr Wissen in persönlichen Gesprächen. Sie vermittelten den Ausstellungsmacher*innen ihre Erfahrungen und in einer sekundären Zeitzeugenschaft auch die ihrer Eltern- und Großelterngeneration.

Ergänzt wird die Ausstellung durch bislang nicht gezeigte Objekte aus der Sammlung des Museum Humpis-Quartier.

Die wissenschaftliche Grundlage der Ausstellung ist die Forschungsarbeit von Dr. Esther Sattig. Sie hat die Geschichte der Ravensburger Sinti und die archivalischen Quellen erstmals umfassend erforscht und 2016 in der Monografie "Das Zigeunerlager Ravensburg Ummenwinkel. Die Verfolgung der oberschwäbischen Sinti" veröffentlicht.
Kuratiert wurde die Ausstellung vom Museum Humpis-Quartier, Szenografie und Grafik entwarfen die Gestalter 2xGoldstein aus Rheinstetten.

Ein reich bebilderter Katalog zur Ausstellung mit Beiträgen von Dr. Esther Sattig, Dr. Frank Reuter, Dr. Tim Müller und Daniel Strauß erscheint in wenigen Wochen.

Impressum

Projektleitung: Sabine Mücke
Kurator: Peter Fritsch
Öffentlichkeitsarbeit und Marketing: Laura Pölloth
Sekretariat: Martina Gresser
Ausstellungsgestaltung und Grafik: 2xGoldstein (Andrew Goldstein, Jeffrey Goldstein, Joshua Kaiss, Erik Schöfer)
Audioproduktion: Wolfram Högerle, irgendwas mit Medien, Florian Dobler
Sprecher*innen:
Ana Schlaegel, Alex Niess
Ausstellungsbau: Tobias Schäfer, objects & furniture
Grafikproduktion: medialogik GmbH
Logistik und Malerarbeiten: Betriebshof der Stadt Ravensburg
Licht und Technik: Horst Kassner, Amt für Gebäudemanagement
Vermittlung: Michael Borrasch, Christophe Freund, Gabriele Rupp, Gabriela Lewandowski, Christoph Stehle, Sintipowerclub e.V.
Empfang und Besucherbetreuung: Karen Beyermann, Alexandra Braxmeier, Patrizia Geddert, Petra Lorinser, Ingrid Kink, Sabine Veser, Walter Gebhardt, Margret Wiggenhauser
Dokumentation und Video: Wynrich Zlomke

Leihgaben und Reproduktionen
Archiv der Max-Planck-Gesellschaft
Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH
Bundesarchiv Koblenz und
Berlin-Lichterfelde
Dokumentations- und Kulturzentrum
Deutscher Sinti und Roma
Generallandesarchiv Karlsruhe
Kreisarchiv Ravensburg
Staatsarchiv München
Staatsarchiv Sigmaringen
Stadtarchiv München
Stadtarchiv Ravensburg
Stadtarchiv Tübingen
Württembergische Landesbibliothek
sowie Privatpersonen

Unterstützung und Beratung,
mit herzlichem Dank

Beate Falk und Dr. Silke Schöttle,
Stadtarchiv Ravensburg
Daniel Strauß und Dr. Tim Müller,
Verband Deutscher Sinti und Roma –
Landesverband Baden-Württemberg
Dr. Frank Reuter, Forschungsstelle
Antiziganismus der Universität Heidelberg
Dr. Peter Eitel
Ernst Fesseler
Ingeborg Geddert
Magdalena Guttenberger, Gedenkinitiative
Mahnmal Ravensburg e. V.
Manuel Werner
Sintipowerclub e. V.
Patrizia Rometsch
Reiner Falk, Kreisarchiv Ravensburg
Sintiverein Ravensburg e. V.

Die Ausstellung wurde gefördert von

Logo BW-Stiftung

Pressebilder

Ausstellungsplakat
© Museum Humpis-Quartier
Aufnahme: 2xGoldstein
jpg, 652 kb
Download
Ausstellungsansicht: Sinti in Ravensburg
© Museum Humpis-Quartier
Aufnahme: Wynrich Zlomke
jpg, 7256 kb
Download
Ausstellungsansicht: Nationalsozialismus in Ravensburg
© Museum Humpis-Quartier
Aufnahme: Wynrich Zlomke
jpg, 7617 kb
Download
Ausstellungsansicht: Das Lager im Ummenwinkel, Alltag im NS-Regime
© Museum Humpis-Quartier
Aufnahme: Wynrich Zlomke
jpg, 7399 kb
Download
Ausstellungsansicht: nach 1945
© Museum Humpis-Quartier
Aufnahme: Wynrich Zlomke
jpg, 5998 kb
Download
Stadtplan Ravensburgs mit eingezeichnetem Standort des Zwangslagers
© Museum Humpis-Quartier
Aufnahme: Wynrich Zlomke
jpg, 6167 kb
Download
Notizblöcke mit den diktierten Erinnerungen von Martha Guttenberger
© Museum Humpis-Quartier
Aufnahme: Wynrich Zlomke
jpg, 4036 kb
Download
Abzeichen und Orden des NS-Regimes waren im Alltag ständig präsent.
© Museum Humpis-Quartier
Aufnahme: Wynrich Zlomke
jpg, 6919 kb
Download

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 11 - 18 Uhr
 

Karfreitag, 24., 25. und 31. Dezember bleibt das Museum geschlossen.

zu den Öffnungszeiten

 

Eintritt

Erwachsene7 € 
Ermäßigt5 €
Kinder bis 18 Jahrefrei 
Gruppen ab 10 Personen  6€ 

zu den Eintrittspreisen

 

Museumsfilm