(K)ein Kompromiss - Reformation in Ravensburg

28. Oktober 2016 bis 16. März 2017

Dass keiner den andern in Religionssachen verachten soll…
Bürgermeister und Rat von Ravensburg, März 1555

Die Reformation war einer der großen Wendepunkte in der Geschichte des Abendlandes. Sie führte zur Spaltung der Christenheit, schuf neue Machtverhältnisse in Europa und setzte Energien zur Weiterentwicklung persönlicher Freiheit, Bildung und Wirtschaft frei. Auch innerhalb der katholischen Kirche löste sie weitreichende Reformen aus.

Die Reformation war auch ein Wendepunkt in der Ravensburger Geschichte: 1546 wurde Ravensburg als eine der letzten Reichsstädte in Deutschland evangelisch. Die katholischen Pfarrer wurden entlassen, in den Kirchen der Stadt wurde evangelisch gepredigt. Ravensburg stellte sich auf die Seite der evangelischen Fürsten und Städte im Kampf gegen den eigenen Stadtherrn, die katholische Majestät Kaiser Karl V. Angestoßen wurde die Reformation durch Martin Luther 1517, in Ravensburg stark befördert durch die Einflüsse des Züricher Reformators Ulrich Zwingli. Mit dem neuen Massenmedium Buchdruck fanden die theologischen Programme Luthers und Zwinglis enorme Verbreitung. Die Ravensburger Papiermühlen liefen auf Hochdruck.

Bei den Ravensburger Zunfthandwerkern fielen die Forderungen der Reformatoren auf fruchtbaren Boden. Der vom Vatikan betriebene Handel mit Ablassbriefen, die Ämterhäufung und das Konkubinat bei Geistlichen erregten auch bei ihnen Ärger. Sie begeisterten sich für die revolutionären Ideen der Reformatoren und deren neue Lehre. 1544 wurde mit dem Zunftmeister der Zimmerleute, Bartholome Hensler, erstmals in der Geschichte Ravensburgs ein Handwerker zum Bürgermeister der Reichsstadt gewählt. Er verhalf der Reformation zum Durchbruch. 

Auf der anderen Seite standen entschiedene Verfechter des alten Glaubens: Kaiser Karl V., der mächtigste Mann der damals bekannten Welt und Stadthalter von Ravensburg, der Weingartner Abt Gerwig Blarer, Kirchherr von Liebfrauen und die Mehrheit der noblen und einflussreichen Kaufmannsfamilien der Stadt.
Nach jahrelangen erbitterten Auseinandersetzungen um den richtigen Glauben schlug Ravensburg einen Kurs der Verständigung ein. Um allen Bürgern in Religionssachen gerecht zu werden, setzte die Reichsstadt früh auf religiöse Neutralität - auf ein Nebeneinander zwischen Protestanten und der katholischer Minderheit in der Stadt. Neben den ansonsten rein evangelischen oder katholischen Städten wurde es zum Sonderfall in der Geschichte. Im Augsburger Religionsfrieden von 1555 entschied sich Ravensburg konsequenterweise mit Augsburg, Biberach und Dinkelsbühl für eine ungewöhnliche Ausnahmeregelung: Gleichberechtigung für evangelisch und katholisch, für eine Vielfalt des religiösen Lebens in der Stadt. Die 1555 festgelegte Bikonfessionalität bestimmte bis weit in das 20. Jahrhundert hinein das Leben in Ravensburg.

In der Ausstellung lässt sich der Kampf um katholisch oder evangelisch, altgläubig oder lutherisch, für Ravensburg hautnah miterleben. Auf großen Stadtmodellen prallen die Kontrahenten aufeinander. Die Achterklärung des Kaisers gegen Luther trifft auf die deutsche Bibel des Reformators. Zum Zankapfel zwischen evangelisch und katholisch wurde die Klosterkirche der Karmeliter (heute evangelische Stadtkirche).

Ausstellung im Rahmen der Gemeinschafts-Veranstaltungen "Reformation in Ravensburg" der Stadt Ravensburg, der Evangelischen und der Katholischen Gesamtkirchengemeinde.

Kurator: Prof. Dr. Andreas Schmauder

FÜHRUNGEN ZUR SONDERAUSSTELLUNG (Ab Dezember)

Führung
1. Donnerstag im Monat | 18 Uhr
3. Sonntag im Monat | 11 Uhr
4 Euro | 2,50 Euro ermäßigt (zzgl. Eintritt)

Kuratorenführung
Prof. Dr. Andreas Schmauder
3. Donnerstag im Monat ab Dezember | 19 Uhr
4 Euro | 2,50 Euro ermäßigt (zzgl. Eintritt)

Ausstellung & Schauplätze der Stadt
Prof. Dr. Andreas Schmauder
2. Sonntag im Monat ab Dezember| 11 Uhr
4 Euro | 2,50 Euro ermäßigt (zzgl. Eintritt)

Gruppenführungen
nach Voranmeldung
80 Euro (zzgl. ermäßigtem Gruppeneintritt)

Schulklassenführung
nach Voranmeldung
mit Museumspädagoge Christophe Freund
60 Euro (Eintritt frei bis 18 Jahre)

BEGLEITPROGRAMM ZUR SONDERAUSSTELLUNG

Sonderausstellungen

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Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag11 - 18 Uhr
Donnerstag11 - 20 Uhr

Karfreitag, 24., 25. und 31. Dezember bleibt das Museum geschlossen.

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Eintritt

Erwachsene4 € 
Ermäßigt2 €
Kinder bis 18 Jahrefrei 
Gruppen ab 10 Personen
3 € 

Im Eintritt enthalten sind auch die Sonderausstellungen

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Museumsfilm