Seit der Entstehung Ravensburgs, also seit annähernd 1000 Jahren, leben Menschen in den Gebäuden oder Vorgängerbauten des Humpis-Quartiers. Der letzte Bewohner hat dort noch bis 2005 gewohnt. Sie alle haben Spuren hinterlassen und die meisten von ihnen sind namentlich bekannt. Dies eröffnet die einzigartige Chance, die Geschichte des Quartiers und der Stadt Ravensburg auf persönliche und emotionale Weise besonders authentisch und anschaulich zu erzählen. Vier ehemalige Bewohner, die dem Quartier seine besondere Prägung verliehen haben, sind hierfür ausgewählt worden.
Den Originalschauplatz für ihre Lebensgeschichten bildet das Humpis-Quartier, Ort des Museums und wertvollste Exponat zugleich. Damit seine Aura des Einzigartigen, die besondere Ausstrahlung und der zum Teil morbide Charme erhalten blieb, erfolgte lediglich eine Sicherung der vorhandenen Substanz, keine Rekonstruktion oder gar glatte und aufwendige Sanierung. So stellt das Quartier eine spannende begehbare Lebenswelt dar. Sie erlaubt es, im Mittelalter auf Zeitreise zu gehen, durch sieben Gebäude, annähernd 60 Räume, Dachböden und Keller, um im Heute wieder anzukommen.
1100 - Der Lederhandwerker - Welfisches Ravensburg
Bei einer archäologischen Ausgrabung im Innenhof des Humpis-Quartiers kam ein sensationeller Fund zutage: die Werkstatt und das steinerne Sockelgeschoss eines Fachwerkgebäudes, in dem ein Lederhandwerker wohnte und arbeitete. Es ist eines der ältesten Bauten des welfischen Ravensburgs und ist in den stimmungsvollen Kellergewölben zu sehen.
1479 – Der Fernhändler Hans Humpis – Patrizische Lebenswelt
Im ersten Obergeschoss des Gebäudes Marktstraße 45 befand sich die repräsentative Wohnetage der Fernhandelsfamilie Humpis. Hier pflegte der Bürgermeister und Regierer der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, Hans Humpis, einen aufwendigen, adelsähnlichen Lebensstil.
1789 – Der Gerber Johannes Wucherer – Paritätisches Ravensburg
Im 18. Jahrhundert lebten Gerber in der Marktstraße 45. Das Dachgeschoss diente dem Weißgerber Johannes Wucherer zum Trocknen seiner Felle. Der evangelische Gerber ist ein typischer Zunfthandwerker im gemischt-konfessionellen Ravensburg des 18. Jahrhunderts.
1842 – Der Wirt Gottfried Rösch – Zeitalter der Industrialisierung
Der Humpisstuben-Wirt und Bierbrauer Gottfried Rösch repräsentiert das Zeitalter der Industrialisierung. In seinem im ersten Geschoss der Marktstraße 47 eröffneten Speiselokal trafen sich die Honoratioren der Stadt, sein Saal wurde zum Gründungs- und Vereinslokal des Turnvereins.