Der Gerber Johannes Wucherer

1727 – 1798

  •  
  •  
  •  
 
 
Gerbergrube
Zunftscheiben
Guckkastenbild

Mit den Gebrüdern Wucherer waren im Humpis-Quartier zur gleichen Zeit ein Rot- und ein Weißgerber tätig. Johannes, der Weißgerber, hatte seine Werkstatt mit den Bottichen, dem Schabebaum und den Werkbänken zum Zurichten im Zwischengebäude Marktstraße 45. Die gegerbten Felle hängte er zum Trocknen im Dachgeschoss seines Wohnhauses Marktstraße 45 auf. Melchior, der Rotgerber, hatte seine Werkstatt mit dem Schabebaum und den Werkbänken zum Zurichten des Leders in der Roßbachstraße 18, seine Gerbergruben im Innenhof des Quartiers. Seine gegerbten Häute hängte er zum Trocknen auf das Dachgeschoss des Gebäudes Roßbachstraße 18.

Eine der Gruben des Rotgerbers Melchior Wucherer ist bei archäologischen Untersuchungen im Innenhof des Quartiers geborgen worden. Diese Grube ist im 2. Obergeschoss der Marktstraße 45 wieder aufgebaut worden.

Sowohl unter den evangelischen als katholischen Einwohnern herrscht viel Aufklärung und Toleranz. Steife Schildbürgerei ... ist nicht mehr zu finden
Philipp Ludwig Röder über das paritätische Ravensburg, 1801
Auf den zweiten Blick
Details verbergen sich
im Hintergrund

Paritätisches Ravensburg

Das Nebeneinander von Protestanten und Katholiken prägte bis ins 18. Jahrhundert das Leben in der Stadt. Alle städtischen Ämter waren paritätisch doppelt besetzt, je ein Bürgermeister, je ein Stadtammann und je sieben Ratsherren von jeder Konfession standen an der Spitze.
Politisch beherrscht wurde die Stadt von einer kleinen Gruppe patrizischer Familien; die acht Zunftvorsteher hatten seit 1551 keinen Einfluss mehr im Rat.
Nach einer Blütezeit im Spätmittelalter bedeutete das 18. Jahrhundert für die Reichsstadt wirtschaftlich weitgehend Stagnation. Einer stetig steigenden Bevölkerungszahl mit 4.207 Einwohnern im Jahr 1789 standen fehlende Manufakturen und ein abgeschottetes Zunfthandwerkertum gegenüber. Über 30% der Bürger lebten in ärmlichsten Verhältnissen, so vor allem die Zunftmitglieder der Rebleute, Strumpfstricker und Weber sowie zahlreiche Tagwerker. Repräsentative barocke Bauten wie bei den umliegenden Klöstern und Adelshäusern waren für die Stadt nicht finanzierbar.

Stadtleben: Geselligkeit und Brauchtum

Barocke Vorstellungen von Ordnung und Einheitlichkeit prägten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts das Leben aller Stadtbewohner. Klare Regeln sollten nicht nur für Architektur und Kunst gelten, sondern nach Vorstellung der beinahe aristokratisch-oligarchischen Führungsschicht in Ravensburg auch für das persönliche Leben der Einwohner. Bürgermeister und Rat erließen während des 18. Jahrhunderts annähernd 400 "Policeyordnungen", welche das Zusammenleben und -arbeiten in der Stadt auf das Genaueste regelten. Sie sind in besonderem Maße ein Spiegel der Zeit und der Lebenswelt von Johannes Wucherer.

Auf den zweiten Blick
Bemerkenswerten
auf den Grund gehen

Zunftversammlung

Vom 14. Jahrhundert bis 1828 bestanden in Ravensburg acht Zünfte. Die Zunft war ein genossenschaftlich organisierter Zusammenschluss von Handwerkern eines Berufs oder Gewerbes in der Stadt. Jeder Handwerker musste ihr angehören, wenn er in der Stadt seinen Beruf ausüben wollte. Sie war somit die umfassende Organisation des wirtschaftlichen und gesellschaftlich-sozialen Lebens von Handwerkern.
Mittelpunkt der Zunft waren die acht Zunfthäuser mit Zunftstube. Dort versammelten sich die Mitglieder mindestens einmal vierteljährlich um die Zunftlade, waren von den Zunftscheiben umgeben, den gemalten Mitgliederlisten. Im späten 18. Jahrhundert produzierten die Zünfte vor allem für den regionalen Markt; lediglich die im Verlagssystem organisierten Papiermacher und Strumpfwirker hatten einen größeren Absatzmarkt. Im Bereich des Kunsthandwerks (Uhrmacher etc.) gab es eine hochgradige Spezialisierung. Insbesondere die Produzenten von Gütern des täglichen Bedarfs hatten jedoch sehr mit auswärtiger Konkurrenz, Hausierhandel und einem Überangebot an Gesellen zu kämpfen; viele von ihnen führten einen harten Existenzkampf. Johannes Wucherer war Mitglied der Metzger- und Gerberzunft, die ihr Zunfthaus im Gebäude Nr. 242 (heute Marienplatz 55) hatte.

Sie dürfen gespannt bleiben!

Wir informieren Sie über weitere Ausstellungen und Zeitreisen in vergangene Jahrhunderte.

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag11 - 18 Uhr
Donnerstag11 - 20 Uhr

Karfreitag, 24., 25. und 31. Dezember bleibt das Museum geschlossen.

Mehr Info

 

Eintritt

Erwachsene5 € 
Ermäßigt3 €
Kinder bis 18 Jahrefrei 
Gruppen ab 10 Personen
4 € 

Im Eintritt enthalten sind auch die Sonderausstellungen

Mehr Info

 

Museumsfilm