| Das aus insgesamt sieben Gebäuden bestehende, um einen Innenhof gruppierte Wohnquartier, war bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts der Sitz der Patrizierfamilie Humpis und ihrer Verwandten, der von Neidegg. Die Humpis waren Begründer und einflussreiche Vorsteher der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft. Von 1298 bis 1530 hatten sie insgesamt 77 Mal das einflussreiche Amt des Bürgermeisters und Stadtammanns in der Reichsstadt Ravensburg inne. Auf dem Areal des heutigen Humpis-Quartiers findet sich ältester Baubestand Ravensburgs überhaupt. Bei archäologischen Ausgrabungen im Innenhof stieß man auf Reste eines steinernen Sockels eines Fachwerkgebäudes aus der Zeit um 1050 nach Christus. In den Gebäuden Marktstraße 45 und Humpisstraße 1 finden sich mehrgeschossige hochmittelalterliche Turmhäuser mit mächtigem Mauerwerk, deren Ursprünge bis ins 12. und 13. Jahrhundert zurückreichen. Sein heutiges Aussehen verdankt das Quartier den Humpis. Die Bausubstanz datiert aus der Zeit ab 1380, im 15. Jahrhundert fanden grundlegende Umbaumaßnahmen und Erweiterungen statt. Im Inneren sind zahlreiche gotische Innenräume aus der Zeit von 1435 bis 1508 erhalten. Herzstück bildet das 1435 errichtete Gebäude Marktstraße 45 mit Schmuckerker. Am Erker befindet sich das Wappen der Familie: drei springende Hunde. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert waren die mit den Humpis verschwägerten Herren von Neidegg und anschließend die Überlinger Patrizierfamilie Reichlin von Meldegg sowie die in Lindau ansässigen Herren von Burgau Bewohner des Quartiers. 1700 gelangte es in den Besitz der bürgerlichen Familien Rösch und Wucherer und wurde als Gerberei, Hutmacherwerkstatt und Schankwirtschaft weiterbetrieben. Der „Grüne Saal“, das Nebenzimmer der späteren Humpisstube, diente Ravensburger Vereinen wie dem Turnverein oder dem Silcherchor als Tagungslokal. Bereits Ende der 1980er Jahre wurde die Idee geboren, im Humpis-Quartier ein städtisches Museum einzurichten. Die 1991 gegründete Museumsgesellschaft Ravensburg e.V. mit ihrem Vorsitzenden Franz Janausch hat als Ziel formuliert: "Der Verein fördert das Stadtmuseum und seine Sammlungen, insbesondere den Aufbau, Ausbau, Einrichtung, Erhaltung und Betrieb eines neuen städtischen Museums im sog. Humpis-Quartier zwischen Marktstraße und Roßbach". Seither tritt der Verein mit außerordentlichem Engagement für die Verwirklichung dieser Idee ein. Das Gebäude Humpisstraße 5 wurde vom Verein bis 2004 eigenverantwortlich saniert und wird seither auch eigenverantwortlich betrieben. Im Juli 2001 hat der Gemeinderat der Stadt Ravensburg mit großer Mehrheit beschlossen, im Humpis-Quartier ein Museum für städtische Geschichte und Kultur einzurichten. Vorausgegangen waren mehrjährige denkmalpflegerische und bautechnische Untersuchungen. Im April 2002 hat der Gemeinderat in einem Dreijahresprogramm den Einstieg in die konkrete Umsetzung der Sanierung des Humpis-Quartiers zum Museum beschlossen (Invesititionsvolumen 2,26 Mio Euro). Die Stadt hat dafür eine Planungsgruppe bestehend aus dem Büro Space4, Stuttgart, dem Büro ART Ravensburg, dem Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, dem Amt für Stadtsanierung und dem Kulturreferat/Stadtarchiv eingerichtet. Aufgrund einer großzügigen Förderzusage der Landesstiftung in Höhe von 2,6 Mio Euro und der Beteiligung weiterer Förderer war es dem Gemeinderat im Januar 2005 möglich, einstimmig die Realisierung des Museums Humpis-Quartier in zwei Bauabschnitten bis 2011 mit geschätzten Kosten von 14,6 Mio Euro zu beschließen. Das Stuttgarter Büro Space4 erhielt den Auftrag für die architektonische Umsetzung sowie die Museums- und Ausstellungsgestaltung, das Büro Jauss und Gaupp wurde mit der Bauleitung beauftragt. Von städtischer Seite zuständig für Inhalt und Programm sind Oberbürgermeister und das Haus der Stadtgeschichte, die Bauherrschaft wird durch das Amt für Architektur und Gebäudemanagement vertreten, für die Finanzen ist das Amt für Stadtsanierung und Projektsteuerung zuständig. In seiner Sitzung vom 14.12.2009 hat der Gemeinderat die Binnensanierung und den musealen Innenausbau der Gebäude Marktstraße 47 (Grüner Saal mit dem Gastwirt Gottfried Rösch) sowie Humpisstraße 1 und 3 (neun Wunderkammern) mit einem finanziellen Gesamtaufwand von 1.360.000 € in den Jahren 2010 und 2011 beschlossen. Für diesen restlichen Ausbau des Museums stehen Fördermittel, Zuschüsse und Spenden aus der Bürgerschaft in Höhe von rund 1.050.000 € bereit, über den städtischen Haushalt werden noch rund 360.000 finanziert.
Literaturempfehlung Uhl, Stefan: Das Humpisquartier in Ravensburg. Städtisches Wohnen des Spätmittelalters in Oberschwaben, Stuttgart 1999, 448 S. Falk, Beate: Kaufmannskontore und Adelssitze. Die Humpishäuser in Ravensburg, Biberach 1996, 38 S. Schmauder, Andreas und Staatsanzeiger Verlag (Hg.): Stadtleben in Ravensburg. Das Humpis-Quartier, seine Geschichte und Zukunft. Kulturgeschichte Baden-Württemberg. Stuttgart 2008, 98 S. |
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