Mit Volldampf voraus! Ravensburg und Oberschwaben 1810-1910

Sonderausstellung im Museum Humpis-Quartier
16. September bis 14. November 2010

In nur 100 Jahren hat Ravensburg in einer Geschwindigkeit sein Gesicht verändert wie in keinem Zeitraum zuvor. Der Handwerksmeister der beschaulichen Stadt von 1810 hätte das Ravensburg von 1910 nicht wieder erkannt. Die Bevölkerung hatte sich in 100 Jahren verfünffacht, war von 3.300 auf knapp 15.000 Menschen angewachsen. Die alten Stadtmauern waren gefallen, anstelle von Ackerland und Weinbergen säumten nun Industriebetriebe, noble Wohngebiete für Fabrikanten (Seestraße, Feder-burgstraße) und Wohnhäuser von Arbeitern die Altstadt. Das Industriezeitalter brachte Maschinen- und Textilfabriken hervor, die Tausende von Menschen Arbeit boten: Escher Wyss, Spohn oder die Bleicherei Weißenau sind Namen, die unverwechselbar zu diesem industriellen „take off“ gehören. In Ravensburg war die Leinwandproduktion, die Woll- und Baumwollverarbeitung, die Entwicklung und Produktion von Pumpen, Turbinen und Papiermaschinen zu Hause, allesamt stark auf Export ausgerichtete Firmen. Ravensburg wurde zu einem der wichtigsten Industriestandorte im Königreich Württemberg.
Güter, die zu Beginn des Jahrhunderts noch mit Kutschen und Wägen transportiert werden mussten, konnten nun seit der Eröffnung der Eisen-bahnlinie Ulm – Friedrichshafen 1850 bequem per Bahn nach Stuttgart oder in die Schweiz gelangen. Im Schussental wurde 1888 das so genannte „Bähnle“ in Betrieb genommen, um den wachsenden Verkehr zwischen Baienfurt, Weingarten und Ravensburg zu bewältigen. Das Wasser kam nicht mehr vom Brunnen, das Licht nicht mehr von Kerzen und Laternen: In den Wohnhäusern gab es Strom, fließend Wasser und zum Teil sogar Telefonapparate. Die Laternen auf Plätzen und Straßen waren mit Gas betrieben.
In der Stadt waren die Oberamtssparkasse und einige Banken ansässig, die die Finanzierung des industriellen Aufbaus ermöglichten. Es entstanden zahlreiche noble Hotels wie das Hildebrand am Bahnhof oder der Kaiserhof an der Eisenbahnstraße, die Gästen eine luxuriöse Unterkunft und Ra-vensburgern ein besonderes Ambiente zum Feiern boten. Am Marienplatz hatten sich jüdische Kaufhäuser angesiedelt, in denen man hochwertige Kleidungsstücke von Großstadtniveau erwerben konnte. Mit der Eröffnung des Konzerthauses erlebte Ravensburg auch einen kulturellen Aufschwung.
Einen ganz ähnlichen Aufschwung wie Ravensburg haben auch die Nach-barstädte Ulm, Friedrichshafen und Leutkirch genommen, die als ehemalige Reichsstädte wie Ravensburg 1810 zum Königreich Württemberg ge-kommen sind. Die Gemeinschafts-Ausstellung der vier Städte mit ihren vielen Originalobjekten und Ansichten aus dem 19. Jahrhundert versetzt den Besucher in das spannende Zeitalter der Industrialisierung Ravensburgs und Oberschwabens.

Öffnungszeiten
Di bis So 11 – 18 Uhr
Do 11 – 20 Uhr

Eintritt
Erwachsene 4 Euro
Ermäßigt 2 Euro
Kinder frei

Ausstellungskatalog
Der Weg in die Moderne 7,80 Euro

Kombi-Angebot
Eintritt + Ausstellungskatalog 10 Euro

Führungen
Sonntag 16 Uhr
Erwachsene 3 Euro (zzgl. Eintritt)
Ermäßigt 2 Euro (zzgl. Eintritt)

Gruppenführungen nach vorheriger Anmeldung.
Zurück    Druckansicht    

Startseite      Kontakt      Presse      Impressum